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Mutter und Tochter frönen auf Schanzen ihrem Hobby PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Donnerstag, 25. Februar 2010 um 06:33

Andere Kinder bekommen zur Jugendweihe ein Moped oder schicke Sachen zum anziehen geschenkt. Etwas zum anziehen gab es damals auch für Franziska Nebel: einen Sprunganzug samt Helm und Schuhen. Denn sechs Jahre zuvor hatte das Mädchen aus Wippra mit dem Skispringen begonnen. Was so ungewöhnlich nicht war. Denn Vater Holger und Bruder Oliver frönten dem Hobby im Wippraer Hasselbachtal, steckten Tochter respektive Schwester quasi an. Ungewöhnlich ist indes, dass Nicole, die mittlerweile sechsjährige Tochter von Franziska Nebel, sich ebenfalls schon auf der Schanze wohl fühlt. "Ich glaube nicht, dass es das noch einmal gibt, dass Mutter und Tochter zusammen Ski springen", so Franziska Nebel, mit 22 Jahren den Kinderschuhen längst entwachsen und mitten im Berufsleben stehend.

Die Begeisterung und das Interesse fürs Skispringen kamen wie bei ihr auch bei der Tochter ganz von selbst. Zunächst im Winterurlaub auf Brettern die Hänge hinab fahrend, wollte die Kleine bald mehr, wobei die Mutter aber ein wenig nachgeholfen haben soll. "Aber nur ein bisschen", sagt die Erstklässlerin und lächelt. Ob sie schon oft gestürzt ist? "Na ja, es geht." Auch Mutter Franziska hat diese Erfahrungen gemacht. Heute traut sie sich auch über größere Bakken. So ist ihr auf der 90-Meter-Schanze in Oberhof mal ein Trainingssprung geglückt, der bei 65 Metern vermessen wurde. Mit den besten deutschen Damen oder gar der Welt sei das freilich nicht zu vergleichen. Aber das will die junge Mutter auch gar nicht. "Für mich war dieser Sport immer ein Hobby und wird es auch immer bleiben." 

Zumal Ski springende Damen und Mädchen in der Region eher rar sind. Vielleicht gäbe es noch einmal einen Schub, wenn Frauen auch bei Olympia springen dürfen. In Vancouver blieb ihnen das noch verwehrt. Wenn die rekonstruierte Schanze in Wippra dann auch noch einen neuen Belag für den Aufsprunghang bekommt, werden vielleicht auch einige Frauen aus Wernigerode oder Harzgerode im Sommer zum Mattentraining kommen. Da soll es dann eine Art Erfahrungsaustausch geben. Franziska Nebel hat freilich ihre eigenen Erfahrungen gesammelt, wenn es darum geht, Kind, Beruf und Sport unter einen Hut zu bringen. "Das geht schon, auch dank der die Unterstützung durch meine Eltern", sagt sie. Und Mutter Ines nickt zustimmend. "Nicole ist ziemlich pflegeleicht", erzählt sie.

 

Vor allem aber auch ist das Mädchen sehr wissbierig. Deutsch hat sie zu ihrem Lieblingsfach in der Schule erkoren. "Da kann ich endlich meine Bücher lesen", so die Sechsjährige. Neben dem Skispringen im Verein Ski- und Freizeitsport Wippra trainiert sie im Moment auch Judo beim MSV Hettstedt. Mutter Franziska spielt gern mal Fußball. Und da ist das passiert, was auf der Schanze nie der Fall war: sie hat sich den Arm gebrochen. Und auch, wenn es viel Spaß macht, wie in diesem Winter lange auf Schnee zu trainieren. Franziska Nebel freut sich auf den Frühling. "Ich fahre gern Motorrad." Sie ist eben eine junge Frau mit sehr ungewöhnlichen Hobbys.

Aktualisiert ( Donnerstag, 25. Februar 2010 um 09:24 )